Alfred Jeremias (1913) über die Verhältnis von Sonne/Mond/Venus zu Gold/Silber/Kupfer u.a. in der altorientalischen Geisteskultur

Wie es den Planeten Farben entsprechen, so auch Metalle. Der Sonne enspricht das Gold. /…/ Dem Mond entspricht Silber, der Venus Kupfer. /…/
Ägypten ist das Gold-Land /…/, Babylonien das Silber-Land /…/, das Westland gilt als Kupferland, was seiner Armut entspricht. Das kanaanäische Stater hängt wohl etymologisch mit Ištar zusammen. /…/ Dieser Charakterisierung der Länder würde mythologisch entsprechen: Ägypten=Sonnen-Land, Babylonien=Mond-Land, das Westland=Ištar-Ašera-Land.
Die Verbindung der drei Metalle mit den drei Hauptgestirnen scheint im Altertum auch das Wertverhältnis von Silber, Gold, Kupfer bestimmt zu haben. Mond- und Sonnenumlauf stehen im Verhältnis 27:360 = 1:13⅓. Das ist das Wertverhältnis zwischen Silber und Gold, welches das Altertum stets beibehalten hat. Das Kupfer steht zum Silber in der Regel wie 1:60 oder wie 1:72. Silber und Gold verhalten sich mie Monat und Jahr, das Kupfer repräsentiert eine Einteilung des Jahres in 60 “Wochen” mit je 6 Tagen (die bezeugt ist). Wir sind gewöhnt, die Wertschätzung als Wertmesser anzusehen. Wenn das auch für das Altertum zuträfe, so hätte das Wertverhältnis nach der Seltenheit schwanken müssen. Und warum nahm man Silber und Gold als Wertmessern? Es gab doch wertvollere Dine. Die Münzfähigkeit kommit nicht in Betracht, denn man wog nur die Metalle. Aber wenn auch praktische Momente hineinspielten, so ist doch im altorientalischen Sinne ein theologisches Moment maßgebend gewesen, das seine Herrschaft bis in die moderne Zeit geltend gemacht hat. /…/
Es scheint die Idee hineingelegt zu sein, daß der Wert der Metalle nach der Stärke der Lichtquelle abnimmt. /…/
Auch in der Verbindung der Weltzeitalter mit Gold, Silber, Kupfer, Eisen liegt der Gedanke vor: die Zeiten werden schlechter, wie die Metalle lichtschwächer.
/…/
Wie mit der Harmonie der Farben und Metalle, so verhält es sich auch mit den Tönen. Den Planeten (Harmonie der Sphären) entspricht die Skala der Töne. /…/
Es wäre sehr erwünscht, wenn die Musik-Historiker diese Dinge untersuchte. Die Notenlinien entsprechen doch wohl den Sphären, aud denen die Notenköpfe als Planeten wandeln. Die Abneigung gegen die Septime in der musica sacra hängt mit dem Unglucksplaneten zusammen, der als Teufel gilt.

Alfred Jeremias, Handbuch der altorientalischen Geisteskultur (Leipzig, 1913), S. 86–88.

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